Der Türchen-Thread reloaded

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Ralf1972
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#71 Beitrag von Ralf1972 » Di 26. Feb 2019, 11:48

Hallo Wolfgang,

oh ja, was für eine tolle Ergänzung! Genau solche Blicke hab ich Damals genossen und mir die Nase platt an der Scheibe platt gedrückt. Es sei denn ich saß in einem Abteilwagen, da habe ich dann das Fenster geöffnet. Das waren noch Zeiten.


#61

Die mit Abstand meisten Unfälle im Eisenbahnwesen passieren an Bahnübergängen. Ich hatte an BÜ’s in meiner Karriere bisher zwei sehr brenzlige Situationen, und in beiden Fällen handelten die Kraftfahrzeugführer äußerst fahrlässig.

Das erste Mal fuhr ich nach Mönchengladbach oder Venlo, es ist schon länger her, ich weiß nicht mehr genau wann das war. Zwischen Köln-Ehrenfeld und Pulheim liegt hinter der Autobahn ein Bahnübergang dessen Straße zu einem Kieswerk führt. Der Bü ist ein sogenannter Blilo-Bü (Blinklichtanlage, Lokführerüberwacht), er ist also vom Lokführer zu überwachen. Eingeschaltet wird er über einen Gleiskontakt, ein Überwachungssignal zeigt dem Lokführer durch ein weißes Blinklicht dass der Bü ordnungsgemäß arbeitet. Bleibt das weiße Licht aus hat der Lokführer Wachsam zu betätigen, vor dem Bü anzuhalten und ihn zu sichern. Dies geschieht entweder über die sogenannte HET (Hilfseinschalttaste) die mit einem besonderen Schlüssel bedient werden muss, oder man sichert den Bü indem man einen Achtungspfiff gibt, unter Beobachtung des Straßenverkehrs mit Schritt auf den Bü fährt ihn dann ab Straßenmitte zügig räumt.
Die andere Art von Bü sind Blifü, Blinklichtanlage Fernüberwacht durch den Fdl. Stellt der Fdl eine Störung am Bü fest diktiert er dem Lokführer einen schriftl. Befehl mit der Aufforderung den gestörten Bü zu sichern (siehe oben).

Ich fuhr also Richtung Pulheim, der Bü schaltete sich ordnungsgemäß ein, als ich einen kleinen Kieslaster bemerkte der sich von rechts dem Bü näherte. Die Halbschranken senkten sich, doch der Lkw wurde nicht langsamer. „Was macht der denn“ dachte ich wohl, da fuhr dieser Vollidiot im Slalom durch die Halbschranken, wenige Meter von meiner Zugspitze. Ich zog natürlich sofort durch und kam einige hundert Meter hinter dem Bü zum Stehen, mit gefühlten 200 Schlägen Puls. Ich informierte den Fdl über den Vorfall, fuhr erst mal langsam weiter um mich wieder etwas zu beruhigen. Puhh, das war knapp gewesen. Wie kann man nur so mit seinem Leben spielen, für mich bis heute unfassbar.

Die zweite brenzlige Situation hatte ich vor ein paar Jahren kurz von Mayen-West, aus Monreal kommend. Dort gibt es zwei Bü an denen für uns eine HG von 20 km/h gilt. Ich betätigte also an dem Lf 6 dass mir die Langsamfahrstelle ankündigt Wachsam um dann langsam auf die 20 km/h zu bremsen. Vor dem Bü stehen zwei Pfeiftafeln, ich Pfiff brav mein Zp1 in die Eifel als ich von unten einen weißen Sprinter kommen sah. Wir fuhren also beide auf den Bü zu, ich bremste ja eh schon, der Sprinter aber nicht. Wenn sich zwei Fahrzeuge im 90 Grad-Winkel annähern kann man ja irgendwann abschätzen, jetzt kracht es, wenn wir so weiterfahren. Ich Pfiff wie ein Weltmeister, der Sprinter bremste aber nicht. Also zog ich durch und kam ein paar Meter vor dem Bü zum Stehen, die Strecke ist dort sehr abschüssig was den Bremsweg natürlich verlängert. Der Fahrer des Lieferwagens hatte wohl überall hingeschaut, nur nicht durch seine Windschutzscheibe, plötzlich, ganz knapp vor dem Bü, schaute er zu mir rüber, erschrak und legte eine Vollbremsung hin. So standen wir also beide nur ganz wenige Meter voneinander entfernt und schauten uns an. Ich öffnete das Fenster, er auch. „Das war knapp“, rief ich, „hast du mich nicht gesehen und gehört?“. Blöde Frage von mir, ich weiß. Er gab darauf keine Antwort sondern Entschuldige sich Aschfahl im Gesicht mehrfach bei mir. Dann einigten wir uns wer zuerst weiterfährt und waren beide froh dass nichts passiert war.


Am 30.Januar 2015 verlässt der 620 008 den Wilsecker Tunnel und überquert den Bahnübergang kurz vor dem Bahnsteig. Auf der anderen Seite des Tunnels fuhr vor einigen Monaten ein LINT in eine Mure.

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Auch das ist ein Bahnübergang, eben "nur" für Fußgänger. Drehkreuz im Kottenheimer Wingert, 31.Januar 2010

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Posten 9 in Mendig, heute gibt es diesen Bü nicht mehr, er wurde durch eine Brücke ersetzt.

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Diesen Posten gibt es nicht mehr, der durch Eisenbahnromantik bekannte Posten 55 in Miellen. 24.März 2018

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Mitten auf dem Werksgelände der Trasswerke Meurin in Kretz liegt dieser Bü. 22.Januar 2011

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In Reil findet sich dieser Bü, 16.April 2010

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Hinter Mayen West auf "huh Kipp", nahe des Thomashofes, liegt dieser unbeschrankte Bahnübergang. 5.Juni 2010

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#72 Beitrag von Ralf1972 » So 3. Mär 2019, 19:09

#62

Die Radreifenmarkierungen sind bei jedem Abschlussdienst eines Triebfahrzeugs zu kontrollieren. Wozu sind die da? Früher hatten fast alle Eisenbahnfahrzeuge Radreifen die auf die Radscheibe aufgeschrumpft werden. Sie werden erhitzt, dehnen sich dadurch aus und können so auf die Scheibe aufgezogen werden. Kühlen sie dann ab schrumpfen sie wieder und stellen eine feste Verbindung her. Zusätzlich wird der Radreifen noch mit einem Sprengring auf der Innenseite gesichert. Im Normalfall wandert so ein Radreifen nicht mehr, es sei denn er erwärmt sich. Das kann bei klotzgebremsten Fahrzeugen natürlich passieren. Die Bremsklötze aus Guss oder Kunststoff werden auf die Lauffläche des Radreifens gepresst, dadurch entsteht Wärme. Im Regelbetrieb, auch bei häufigen Bremsvorgängen bei Nahverkehrszügen, passiert trotzdem nichts, der Reifen sitzt fest. Das muss ja auch so sein, alles andere würde keinen Sinn machen. Der feste Sitz wird mittels sogenannter Radreifenmarkierungen kontrolliert. Dies ist nichts anderes als ein Strich der über den Radreifen und die Radscheibe verläuft, sind sie gegeneinander verschoben hat sich der Reifen auf der Scheibe gedreht.

Kritisch diesbezüglich ist eine feste Bremse. Wie die Bezeichnung schon sagt, die Bremse ist dann dauerhaft angelegt, die Bremssohlen schleifen also permanent über die Lauffläche. Als quasi der Klassiker ist da die feste Handbremse zu nennen. Alle Lokomotiven und Reisezugwagen besitzen mindestens eine Handbremse, meistens über eine Spindel mit Handrad zu bedienen. Normalerweise kann eine feste Handbremse nicht unentdeckt bleiben, das Regelwerk der Brevo, der Bremsvorschrift, schließt das aus. Aber wie das so ist, es kommt doch immer mal wieder vor. Schleift nun dauerhaft der Klotz über die Lauffläche erwärmt sich der Radreifen so stark dass er sich ausdehnt und wandert. Wird die feste Bremse dann entdeckt, sei es durch den Lokführer der spürt das etwas nicht stimmt (der Zug rollt nicht so frei wie sonst üblich), durch das Zugbegleitpersonal (Geräusche, Rauchentwicklung) oder durch eine HOA, eine Heißläuferortungsanlage, muss gehandelt werden. Natürlich ist die Bremse zu lösen und auszuschalten, danach sind die Gelbstrichmarkierungen zu prüfen. Sind sie verdreht darf das Fahrzeug noch mit Schrittgeschwindigkeit die Strecke bis zum nächsten Bahnhof räumen, danach ist es zu untersuchen. Nach der Überführung in die Werkstatt und der Kontrolle des festen Sitzes werden rote Radreifenmarkierungen angebracht. Danach geht das Fahrzeug wieder ohne Einschränkungen in den Betrieb, die Kontrolle der roten Markierungen ist allerdings im Übergabebuch zu vermerken. Verdreht sich nun der Radreifen nochmal, d.h. die rote Markierung verschiebt sich, darf das Fahrzeug nicht mehr bewegt werden.

Hier sehen wir eine Achse einer 143 mit verdrehter roter Markierung. Die Achse ist schon ausgebaut und wartet darauf per LKW (wie sonst) ins AW gefahren zu werden.

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Die Radreifenmarkierung an diesem Holzroller ist wunderbar zu erkennen, strahlt doch das ganze Drehgestell in recht frischem Lack.

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An diesem 628 muss man schon etwas genauer hinschauen um die Markierung zu entdecken.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#73 Beitrag von Ralf1972 » Mo 4. Mär 2019, 11:46

#64

Wo kommt unser Strom her? Aus der Steckdose natürlich. Voraussetzung ist allerdings das man eine findet.

Vor vielen Jahren, ich weiß mal wieder nicht mehr genau in welchem Jahr, hatten wir einen Nachtdienst von Samstag auf Sonntag. Verknüpft mit dieser Leistung war ein 628. Wir fuhren gegen Mitternacht in Koblenz ab bis Kaub, dort standen wir dann fast sechs! Stunden herum um dann morgens wieder gen Koblenz zu fahren. Für viele Kollegen ein schöner Dienst. „Super, kommste ausgeschlafen nach Hause“. Für mich aber ein grausamer Dienst da ich von Natur aus ein schlechter Schläfer war und bin und auf den Klappsitzen im Mehrzweckabteil des 628 kein Auge zumache.

Als ich die Schicht zum ersten Mal hatte fragte ich einen Kollegen der sie schon gefahren hatte wo denn in Kaub die Steckdose sei um den 628 an den Fremdstrom anzuschließen. „Ja, da hab ich auch ein bisschen suchen müssen, so zwischen zwei Schuppen“…“Aha“ dachte ich. So fuhr ich also gemütlich, ich meine mich zu erinnern, dass der Zug sehr lange Fahrzeiten hatte, nach Kaub. Ich ging zum Fahrdienstleiter der zu der Zeit noch dort saß um mit ihm ein wenig zu klönen, jede Minuten die ich totschlagen konnte griff ich mir. Aber der Kollege war eher von der ruhigen Sorte und ich merkte schnell dass er lieber seine Ruhe haben wollte. Also trafen wir unsere Rangiervereinbarung, ich setzte nach Gleis 4 um. Es war Januar, saukalt, und es begann tatsächlich heftig zu schneien. Ich hielt an einem kleinen Schuppen an, griff Jacke und Taschenlampe und suchte erst mal den Elektranten, so wird bei der Bahn diese Art von Steckdosen genannt. Ich fand ihn nicht, stapfte mit meinen Halbschuhen durch den immer höheren Schnee. Ich umrundete alles und jeden auf der Suche nach den 230 Volt, fand aber nichts. Maaaaann, was jetzt? Erst mal aufwärmen. Im Führerstand rief ich über Funk nochmals den Fdl an, auch er konnte mir nicht helfen. „Ja, da ist eine, aber wo genau, keine Ahnung“. Übersetzt hieß das „lass mich doch mit deinem Blödsinn in Ruhe“. Also lief ich nochmal raus, suchte alles ab. Als die Socken nass wurden hatte ich die Schnauze voll. „Dann brummt er eben die ganze Nacht durch“, dachte ich mir und kletterte in meinen 628. Die Heizung des 628 läuft auch nur mit Batteriestrom, aber die ist halt irgendwann mal leer. Also musste ich, wohl oder übel, den Dieselmotor laufen lassen um mir nicht den Arsch abzufrieren. Anfangs machte ich ihn immer mal wieder aus, später dann, als die Müdigkeit die Augenlider nach Süden zog und ich mich dann doch auf den Klappsitzen ein wenig hinlegte, ließ ich ihn durchlaufen. Die Anwohner fanden das sicher so Mittelgut, ich fühlte wirklich mit ihnen, aber was sollte ich machen. Kurz vor Sechs setzte ich dann wieder an den Bahnsteig und fuhr völlig gerädert nach Koblenz in den Feierabend.

Ich fragte dann in den nächsten Wochen jeden Kollegen den ich traf nach der Steckdose. Die Hälfte sagte mir „hab keine gefunden“, die andere Hälfte „natürlich hab ich die gefunden! Ich kann doch nicht den Motor die ganze Nacht laufen lassen“, begleitet wo einem Lächeln und Augenzwinkern. Da dämmerte mir dann dass dort wohl gar keine Steckdose vorhanden ist…


Am 25.01.2007 knipste ich 151 145 in Kaub auf der Fahrt nach Süden.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#74 Beitrag von Ralf1972 » Mo 18. Mär 2019, 11:22

#65

Mitte der Neunziger Jahre hatten wir in Koblenz einen schönen Frühdienst mit einer 290. Wir fuhren einen Übergabegüterzug nach Mayen-Ost, dort rangierten wir einen Kesselwagen aus und setzen diesen in ein Ausfahrgleis. Dann wurden wir von einem Mayener Kollegen abgelöst, dieser fuhr dann mit einem Rangierer rauf nach Kaisersesch und dort dann ins Spanplattenwerk Glunz. Im Kesselwagen schwappten nämlich 60 Kubikmeter Leim. Während der Mayener nach „Esch“ unterwegs war fuhren wir eine Runde mit dem 628 nach Andernach. So die offizielle Version. Praktisch machten wir das immer anders, jeder blieb auf seinem Zug. Denn die Mayener Hochleistungslokführer verließen nur ungern ihren 26 Kilometer langen Andernach – Mayen-West - Kosmos. „Och, dat iss mir vill zo vill Jedöhns doh huh noch Ösch. Mach dau dat“. Mir war das nur Recht, ich fuhr gerne hoch nach SKAI, war ich doch noch nicht lange Lokführer und froh um jede Abwechslung.

In Kaisersesch angekommen umfuhren wir den Wagen, es konnte losgehen ins Werk. Der circa 2,5 Kilometer lange Anschluss wurde nicht oft befahren. Drum war das Anschlussgleis immer recht rostig. Und nichts ist rutschiger als ein rostiges feuchtes Gleis. Kurz nach der Weiche steigt der Anschluss schon recht stark an und ich kam im ersten Anlauf gar nicht hoch, ich blieb hängen. Also wieder zurückrollen lassen, Dauersanden und nochmal versucht. Nun klappte es, nach zwei Rechtsknicken verläuft das Gleis gerade bis zum Werk, allerdings geht es in einer Welle einmal auf und ab. Auf dem Bergab Stück wollte ich meine Fuhre etwas einbremsen und nahm mangels Erfahrung die Zusatzbremse. Zack, sofort fiel die Tachonadel auf null. Auslösen, zusätzlich das Löseventil gezogen, die Räder rollten wieder. Aber ich war immer noch zu schnell. Also bremste ich mit dem Führerbremsventil ein, Sand dazu, und Zack, Tacho auf null. „Das gibt’s doch nicht“, dachte ich. Also zog ich bei meiner Lok das Löseventil, die Bremse der V90 löste, der Tacho kam wieder. Und langsamer wurde ich auch, „Super, jetzt hab ich‘s drauf. Wer ist der geilste Lokführer der Welt und hat zwei Daumen? ICH!“ dachte ich. Als das Tempo wieder passte löste ich mit dem Führerbremsventil aus. Als die Bremsen am Kesselwagen lösten hörte ich plötzlich ein rhythmisches „BUMM… BUMM… BUMM“. Ich schaute den Rangierer an, dann steckte ich meinen Kopf aus dem Fenster. „Ach Du Scheiße“ dachte ich. Ich hatte mit meiner blödsinnigen Bremsung (Lok lose, Wagen gebremst) die Räder am Wagen so lange zum Stehen gebracht dass sich üble Flachstellen gebildet hatten. Dazu kommen dann noch die Aufschweißungen, denn der Stahl der bei Seite geschoben wird muss ja irgendwo hin, er lagert sich dann am Rand der Flachstelle in Laufrichtung ab. Ich schaute zu meinem Rangierer rüber, bekam einen roten Kopf. „Ich hab da wohl die Räder ein wenig eckig gefahren“ sagte ich wohl sinngemäß zu ihm. Und er nur trocken „Ich höre es“. Nicht nur er konnte es hören, auch der Rest der Eifel, der Wagen hämmerte fürchterlich. In Hillesheim an der Seismischen Messstation wurde ganz sicher Erdbebenalarm ausgelöst. Gott, war mir das peinlich.

Ich denke so ziemlich jeder Lokführer hat sich schon mal so „auf den Arsch gesetzt“, dass er sich die Räder eckig gefahren hat. Das bleibt nicht aus. Beim Rangieren bremst man recht oft mit der Lok alleine, da blieben gerne mal die Räder stehen. Hatte man sich dann schöne Flachstellen reingefahren fuhren wir immer den Rest der Schicht mit leicht angelegter Zusatzbremse durch die Gegend um wenigstens die Aufschweißungen mit den Gussklötzen wieder zu beseitigen. Als Grenzmaß einer Flachstelle gilt übrigens die Länge einer Streichholzschachtel. So habe ich das gelernt, niemand sagte früher 40mm. Das habe ich nie gehört. Aber diese Eisenbahnersprache verschwindet auch immer mehr, leider.


Auf diesem Foto vom 6. Februar 2008 ist rechts das Anschlussgleis noch gut zu erkennen. Mittlerweile ist es natürlich recht zugewachsen. Der VT kommt gerade aus Richtung Urmersbach und hat die Trapeztafel kurz zuvor passiert. Gut zu sehen auch die Steigung des Anschlussgleises die mir bei der Anfahrt das Leben schwer machte.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#75 Beitrag von Ralf1972 » Mo 15. Apr 2019, 10:48

#66

Heute gibt es mal nichts Aufgewärmtes aus dem ersten MRF-Thread.

Auf dem unteren Bild seht ihr meine letzte La, die Zusammenstellung der vorübergehenden Langsamfahrstellen und anderer Besonderheiten. Oder um genau zu sein, es ist meine letzte La in gedruckter Form. Seit einigen Monaten arbeiten wir mit einem Tablet-PC, alle dienstlichen Unterlagen werden uns nun papierlos „zugestellt“. Das heißt Dienstpläne, Weisungen, Fahrzeugunterlagen, Regelwerke und eben auch die La. Als papierlose La erscheint sie nun Tagesaktuell, nicht mehr (zwei)wöchentlich wie noch die Papier-La. Einige Monate wurde uns die gedruckte La noch zur Verfügung gestellt, letzte Woche gab es nun die letzte.
Ich werde mich daran gewöhnen müssen nun ohne Papier-La Dienst zu tun. Seit 27 Jahren lagen die La meistens vor mir während der Fahrt, auch wenn kein Eintrag zu beachten war. Denn die La muss nur aufgeschlagen da liegen wenn für die Fahrt auch Einträge zu beachten sind. Aber für mich war die La auch immer ein Notizblock, wie für viele meiner Kollegen auch. Jetzt also muss ich mir eine andere Art der Notizmöglichkeit suchen, bin da noch etwas ratlos.

Ich kann mich noch an einen Kölner Kollegen erinnern der immer ohne Tasche oder Rucksack im Dienst war. Das einzige was er dabei hatte war ein Kuli und die La die er immer in der Gesäßtasche trug. Irre, ich hab mich immer gefragt wie der so Dienst tun konnte. Ich schleppe in meinem Rucksack so viel Krempel herum. Aber jeder Jeck ist anders.

Wieder geht also ein Stück Eisenbahn die mir so vertraut war. Die La Mitte und die La Nord waren immer dabei, nicht immer ganz aktuell, manchmal vergaß ich auch mir neue zu holen. Das wurde dann natürlich immer schnellstmöglich nachgeholt, auch auf fremden Dienststellen, das war kein Problem. Sie war halt immer praktisch, und sei es nur den wackelnden Stuhl ruhig zu stellen. Das geht zwar theoretisch auch mit dem Tablet, weiß halt nicht wie das mein Teamleiter finden würde. „Chef, mein Tablet is kaputt“… „aha, was ist passiert?“… „nun, der Stuhl…“

Übrigens, das auf der Rückseite aufgedruckte Zentimetermaß diente dazu den Bremskolbenhub zu messen, oder die Länge einer Flachstelle. Heute müsste ich mir wohl eine Mess-App auf das Tablet runterladen. So ändern sich die Zeiten.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#76 Beitrag von Ralf1972 » Fr 3. Mai 2019, 08:56

#67

Diese Geschichte habe ich nicht selbst erlebt. Sie hat aber auf der Dienststelle recht schnell die Runde gemacht. Und es gab niemanden der nicht darüber geschmunzelt oder gelacht hat. Wie das so ist mit der Schadenfreude.

Als wir auf der Steilstrecke noch mit Zugbegleiter fuhren war je ein Lokführer auf der Lok und einer auf dem Steuerwagen eingeteilt, als Beimann auf der Steilstrecke fungierte der Zugführer. Das waren immer sehr angenehme Schichten, eine halbe Stunde fahren, halbe Stunde Füße hochlegen. Am Wochenende fuhren wir damals noch im 2-Stunden-Takt, es ging rauf und runter und dann für eine knappe Stunde nach Gleis 14 Pause machen. Das waren noch Zeiten.

Wenn man in Emmelshausen am Bahnsteig steht liegt rechter Hand den Hang hinab eine Tankstelle. An dieser Tankstelle versorgten wir uns manchmal mit Süßigkeiten oder Getränken um diese knallharten Dienste überhaupt durchstehen zu können. Da wir mit zwei Lokführern fuhren hatten wir auch zwei „Bestecke“, also jeweils einen Richtungsschaltergriff (den Knochen) und je einen Bremsschlüssel. Diese wurden morgens bei Dienstbeginn auf der Lokleitung in Empfang genommen und abends wieder dort abgegeben. Ging jetzt mal ein Kollege schnell nach unten zur Tankstelle ließ er im bergseitigen Steuerwagen den Knochen nach Vorwärts liegen. So konnte das Wendegetriebe von der Lok nicht umgeschaltet werden und der Lokführer wusste, ah, da ist einer schnell zur Tankstelle.
Harald, der Lokführer des Steuerwagens, wollte sich an der Tankstelle was Süßes besorgen, er legte aber den Knochen nach Null. Er stieg die Böschung hinab und verschwand im Verkaufsraum. Der Lokführer der Lok übernahm den Zug, verlegte den Richtungsschalter, das Wendegetriebe verlegte, alles in Ordnung. Noch schnell die Bremsprobe mit dem Zugführer erledigt, schon war es wieder Zeit zur Abfahrt. Ein- und Ausstieg beendet, Achtungspfiff, Türen geschlüsselt, Zp9, los ging es.

Harald kam aus der Tankstelle und hatte gerade in sein Snickers gebissen als er oben den Zug wegfahren sah. Und natürlich, es kommt immer alles zusammen, es war tiefster Winter und seine Jacke hing im Zug. Ich würde heute noch viel dafür geben in diesem Moment sein Gesicht zu sehen. Aber Harald wäre nicht Harald, wenn er nicht kurzentschlossen losgelaufen wäre, Richtung Ehr. „Wat soll ich denn zwei Stunden in der blöden Tankstelle rumstehen. Da lauf ich lieber.“ Respekt, im Hemd durch den kalten Hunsrück.

Die Kollegen im Zug bekamen dann bald einen Anruf und wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Mann in hoher See über Bord gegangen sei. Kann halt mal passieren. Auf der nächsten Bergfahrt sammelten sie ihn in Ehr wieder ein.


Am 16.Mai 2005 hatte ich Dienst auf der Steilstrecke, zu der Zeit fuhren wir schon nicht mehr mit Zugbegleiter. Also oblag uns die Bremsprobe, den Lokführern. Auf dem Bild sehen wir am Zugende meinen Kollegen stehen, bereit um mit "den Klötzen zu wackeln". Heute ist dieser Kollege übrigens mein Teamleiter. Rechts neben der Lok schimmert die Tankstelle durch das Grün der Bäume.

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Wer kennt diesen Blick nicht? Am 11.Oktober 2004 befindet sich die 218 131 auf Talfahrt auf dem Hubertusviadukt.

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Wie Grau und Trist zeigt sich die Natur dagegen im Februar. 218 414 am 27.02.2010 auf Bergfahrt.

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Einfahrt in Boppard vom Stuhl des Lokführers aus gesehen. Auch schon Historisch dieses Bild, vom Bw der Rhenus Veniro war am 25.November 2004 noch nichts zu sehen. Und vom alten Reichsbahn-Bw natürlich auch nicht mehr.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#77 Beitrag von Ralf1972 » Fr 3. Mai 2019, 09:07

#68

Ich schrieb bereits über die Schaku, die Scharfenberg-Kupplung. Muss ein Triebwagen mit Scharfenberg-Kupplung mit einem Tfz mit konventioneller Zug- und Stoßeinrichtung abgeschleppt werden ist eine Hilfs- oder Übergangskupplung nötig. Die Abschlepplokomotiven vom Fernverkehr die in Köln, Frankfurt und, was weiß ich wo die sonst noch stehen, haben diese Kupplung dauerhaft montiert. Das macht ja auch Sinn, soll doch im Notfall schnell ein havarierter ICE von der Strecke geholt werden. Bei Regio Mitte wird solch eine Lok nicht vorgehalten, denn mittlerweile wird zum schleppen oder abschleppen eh ein Triebwagen mit Schaku genutzt. Hilfskupplungen werden natürlich noch vorgehalten in den Knotenbahnhöfen, manche Triebwagen wie der 640, der 643 teilweise oder der 442 haben eine Kupplung an Bord.

Muss also ein Zug mit einer Lokomotive abgeschleppt werden ist vorher die Übergangs- oder Hilfskupplung zu montieren. Das ist gar nicht so ohne, denn leicht sind die Kupplungen nicht. Es gibt zwei Varianten, die ältere eckige und die neuere rundliche. Die Alte war vom Gewicht sicher nicht weit von einem Zentner weg, die neuere Variante ist leichter, aber sicher auch noch 30 Kg schwer. Ich kenne die Masse der Kupplungen allerdings nicht genau, ist nur geschätzt.

Zur Montage muss die Kupplung von oben auf den Zughaken gesetzt werden, sie muss also recht hochgehoben werden. Aus diesem Grund darf die Kupplung nur zu zweit montiert werden. Hängt sie im Zughaken wird mit einem Teller der sich über einen Bügel abstützt und auf der Spitze des Hakens aufliegt die Höhe eingestellt. Nun werden die HL und HBL verbunden und beide Hähne kurz leicht geöffnet um den Dreck aus der Kupplung zu blasen. Nun wird mit der Lokomotive beigefahren und eine Zugprobe durchgeführt um zu prüfen ob die Kupplung auch hängt. Das war es eigentlich schon, nach dem anbringen des Zugschlusses, der Bremsprobe, dem Erstellen des Bremszettels und lösen der Feststellbremse kann abgeschleppt werden. Abkuppeln kann man eine Hilfskupplung nur über die Notlöseeinrichtung an der Schaku des Triebwagens mittels Seilzug.


Hier sehen wir eine Kupplung an einer 216 in Wiesbaden, aufgenommen am 18.06.2004

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#78 Beitrag von Ralf1972 » Do 9. Mai 2019, 16:30

#69

Ich erzählte ja schon, dass wir uns in Koblenz 2014 und 2015 einige LINT aus Dortmund ausliehen um damit Ausbildung zu betreiben bzw. später Fahrzeugengpässe abzufedern. Meine eigene Ausbildung auf den LINT bekam ich 2013 zusammen mit einem Kollegen in Siegen. Wir quartierten uns vier Nächte in einem mittelschönen Tagungshotel ein und wurden von einem NRW-Ausbilder in die Baureihe 640 und 648 eingewiesen. Wir verstanden uns prima und hatten in der Woche viel Spaß miteinander. Auch die Kollegen der Werkstatt Dortmund die in Siegen oft mit ihrem Werkstattauto vorbeikamen waren sehr nett und sympathisch, ebenso die Siegener Bereitsteller. Nettes Völkchen dort, muss ich sagen. Einzig am Lokschuppen hatte ich ein äußerst unschönes Erlebnis mit der dort ansässigen Firma, aber gut, wo Licht ist auch immer Schatten. Unsere Ausbildungsfahrt machten wir nach Bad Berleburg, so durfte ich auch mal diese wundervolle Strecke kennenlernen. Ich bin dann später noch öfter mit dem Dienstauto nach Siegen um dort mit den Koblenzern Ausbildung zu machen. Einmal setze sich ein Kollege dort auf den Rand einer Betoneinfassung und packte genüsslich seine Vesper aus. Als ich ihm dann sagte dass er auf dem Rand des Schokobrunnens sitzt lachte er noch und biss genüsslich sein Brot ab. Nach der weiteren Aufklärung, dass der Schokobrunnen der Spitzname der Fäkalienhebeanlage sei lachte er nicht mehr…

Als wir dann zum ersten Mal einen 640 aus Dortmund ausliehen fuhren wir zu zweit in den Betriebsbahnhof EDOB. Auf der Leitstelle teilte man uns mit einem Grinsen den 640 020 zu. Erst später erfuhren wir den Grund der Schadenfreude, denn der 020 war DAS Seuchenfahrzeug der Dortmunder. Der VT hatte deutlich weniger Kilometer auf dem Tacho, weil er die halbe Zeit seines Lebens in der Werkstatt stand. Wir rüsteten ihn auf, meldeten uns fahrbereit und los ging die Fahrt. Wir fuhren zum Hbf, dann über Witten nach Hagen. Die Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME) steigt aus dem Hauptbahnhof Hagen Richtung Haspe stark an. Wir verließen den anschließenden Weichenbereich des Hbf und legten den Fahrbrems-Hebel nach vorne. Der 640 beschleunigt vergleichbar mit einem 628, also eher bescheiden. Langsam wurden wir schneller, laaaangsam schlich die Tachonadel über die Schlitzscheibe. Plötzlich hörten wir ein lautes „Fffummp“ und die Drehzahl sank auf ca. 1000 U/min. Wir schauten uns an, hatten wir doch noch keinerlei Erfahrung auf dem Fahrzeug. „Was war das?“ fragte ich meinen Kollegen, „keine Ahnung“ bekam ich als Antwort. Keine Störmeldung auf dem Display, trotzdem keine Leistung mehr. Wir schlichen den Berg hinauf, fuhren durch Ennepetal und riefen den Fdl Oberbarmen an. „Kollege, nimm uns bitte mal zur Seite, wir haben ein Problem“. Wir fuhren nach Gleis 1 und begaben uns auf die Störungssuche die aber recht schnell wieder beendet war. Denn wir hatten keine Ahnung. Also riefen wir unseren Ausbilder aus Siegen an, erklärten ihm unser Problem. „Ja, da ist der Druckschlauch vom Turbolader abgerutscht, das kommt schon mal vor“, sagte er sofort. Erfahrung eben. „Können wir da was tun?“, fragten wir ihn. „Nö, da kommt ihr nicht ran. Welchen habt ihr denn?“, fragte er uns. „Den 020 haben sie uns gege……“…..“Hahahahahaha“, sein lachen unterbrach unseren Satz. „War ja klar, dass sie euch die Gurke geben“.

Also wussten wir nun was Fase war. Bis Koblenz fahren hatte keinen Zweck, also Anruf in Dortmund. „Schade, ich dachte ich wäre den 020 für ein paar Wochen los“ sagte der Mann der Leitstelle. "Okay, ich kümmere mich darum". Wenig später dann der Rückruf, man wollte uns einen anderen 640 bringen, der Tausch sollte in Hagen Güterbahnhof vollzogen werden. Oh je, nochmal über den Berg mit 1000 U/min, das wird zäh. Es dauerte eine starke Stunde bis wir unseren Fahrplan hatten und krochen mit 30 km/h hoch Richtung Schwelm, dort bogen wir ab und fuhren über Gevelsberg nach Hagen. Im Güterbahnhof tauschten wir auf den 023 und fuhren dann ohne weitere Probleme Richtung Koblenz.
Mit dem 023 machte ich dann in den nächsten Wochen Ausbildung, wir fuhren ab und zu nach Mayen, es war eine schöne Zeit.

Siegen, 10.September 2013

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In Erntebrück gibt es diese nette Besonderheit, man fährt fast durch den Hof eines Hauses. 11.September 2013

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Der 640 020, kurz vor der Abfahrt in Dortmund Bbf. 28.Februar 2014

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640 023 im Güterbahnhof Hagen, kurz nach dem Fahrzeugtausch. 28.Februar 2014

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Dortmund Bbf, 10.Januar 2015

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#79 Beitrag von Ralf1972 » Do 16. Mai 2019, 18:28

#70

Vorletzten Samstag hatte ich einen Spätdienst zu leisten, natürlich in Mayen, das ist ja seit einem Jahr meine dienstliche Heimat. Dienstbeginn war 13:39, Feierabend 23:38 Uhr. Zu fahren war ein Pz nach Limburg, wieder zurück nach Koblenz, dort dann Pause, wieder nach Limburg und dann nach Mayen. Nach dem Tanken und der A1 ist dann Feierabend.
Als ich das erste Mal durch Koblenz fuhr ging der Funk und die Leitstelle in Trier war am Hörer. „Ralf, ich weiß nicht ob Du es mitbekommen hast, in Remagen hat heute Morgen ein Zug den Fahrdraht runtergerissen. Am Rhein ist Land unter. Würdest Du, wenn du gleich wieder in Koblenz bist dort Bereitschaft machen, ich bräuchte einen 146-Lokführer der mir Parks an- und wegstellen kann. Deine Leistung fährt die Mayener Bereitschaft, und um 21:52 gehst du wieder auf Deine Planleistung und hast pünktlich Feierabend“. Naja, dachte ich, klingt nach einer Abwechslung, habe ich ja nicht mehr so oft in Mayen. „Ja, können wir so machen“ antwortete ich ihm, es war also gebongt.

Als ich von Limburg wieder in Koblenz war rief ich die Leitstelle an und sagte dass ich nun meine Pause machen werde um dann danach Bereitschaft zu machen. „Okay Ralf, wenn deine Pause beendet ist ruf doch bitte mal die TP an!“…“ TP? wieso TP, ich mach doch Bereitschaft hier in Koblenz?“. Die TP, also die Transportleitung, ist für die Zugfahrten und alles was dazugehört zuständig, die Leitstelle für das Bereit- und Abstellen der Züge. Also warum TP? Meine Pause war noch nicht ganz beendet, da rief sie schon an. „Ralf, in 40 steht ein RE5-Park, rüste ihn auf und fahre dann als 28532 nach Köln“. Wie nach Köln, ich fahre doch jetzt nicht mehr nach Köln, dachte ich. „Wie nach Köln, ich fahre doch jetzt nicht mehr nach Köln!“, sagte ich. Es entbrannte eine heftige Diskussion, denn ich wollte ja auf jeden Fall pünktlich Feierabend machen. „Du bist halb neun in Köln, zehn vor neun fährt ein IC nach Koblenz, 21:46 bist du wieder da. „Das ist doch alles viel zu knapp“ sagte ich ihm. „Zur Not halt mit dem Taxi heim“. Das hatte ich befürchtet. Ich fahre ungern Taxi. Nun hatte ich kein Argument mehr, also fuhr ich. Ich hatte nicht damit gerechnet nochmal 146 zu fahren, und um ehrlich zu sein, es hat mir Spaß gemacht. Die Fahrt verlief pünktlich, um halb neun war ich in der Domstadt. Der IC war auch pünktlich, sollte das etwa tatsächlich klappen? Es wäre ein Wunder. Ich bestieg den IC, dieser fuhr los, aber nicht schnell. Bis Bonn zottelten wir einem Pz hinterher, in Bonn hatten wir 9 Minuten Verspätung. Mist, das wars mit meinem Feierabendzug, denn der lief mittlerweile pünktlich von Limburg durch das Lahntal.

Also wieder Anruf bei der TP. Zuerst sagte man mir um 23:52 würde ja auch noch ein Zug nach Mayen fahren. Das tat ich schnell als guten Witz ab und schlug ihm vor doch dafür zu sorgen dass der IC in Andernach nen kurzen Stopp einlegt damit ich raushüpfen könne. „Oh, das ist schwierig, glaube so weit reicht mein Arm nicht“ bekam ich zur Antwort. Schon sorgte Vodafon dafür, dass das Gespräch beendet wurde. Ein Witz dieses Handynetz. Ich probiere es gleich nochmal dachte ich und ärgerte mich. Kurze Zeit später, ich saß durch Zufall im Wagen mit dem Dienstabteil, lief der Zugführer des IC durch den Wagen, blieb neben mir stehen und schaute mich an. „Nabend Kollege, bist Du von Regio?“ Ich bejahte. „Möchtest Du nach Andernach??“ Ich bejahte abermals. „Dann halten wir dort für Dich an, kein Thema!“. Welch eine Überraschung und Freude. Ich bedankte mich artig und freute mich darauf doch noch auf meinen Feierabendzug zu gelangen. Tatsächlich hielt der Zug in Andernach, ich hüpfte raus und war froh.

Nach gut 20 Minuten kam dann mein Zug auch angefahren, ich kletterte zu meinem Kollegen in den Führerstand und wir fuhren nach Mayen in den Feierabend.

Ich weiß gar nicht wann ich davor das letzte mal RE5 gefahren bin, muss wohl vor einem guten Jahr gewesen sein. Damals dachte ich, das war wohl meine letzte Fahrt auf der 146. Eine Ausbildung war auch nicht mehr geplant, die letzte Gruppe bildete ich im Januar 2018 aus. Deshalb hat mir dieser Ausflug nach Köln schon Spaß gemacht, nochmal einen richtigen Zug fahren. Trotz dem ganzen Stress des Nachhausekommens.

Wieder mal müssen Handybilder herhalten, ich hatte keine Kamera dabei. Der Park in Koblenz in Gleis 40, wie immer mit offener Tür. Das lerne ich wohl nicht mehr.

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Kurz vor Köln Süd, rechts sehen wir Eifeltor.

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Einfahrt Köln Haupt. Wer weiß wann ich das nächste mal da rein fahre, keine Ahnung!

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Ralf1972
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#80 Beitrag von Ralf1972 » Mi 22. Mai 2019, 08:39

#71

Das erste Bild zeigt die 101 092 in Gleis 19 in Koblenz Hbf. Dies ist die einzige Lokomotive dieser Reihe an der am Langträger der Hersteller Bombardier angeschrieben steht. An allen anderen steht ADtranz. Die 092 war die Lokomotive die in den schrecklichen Unfall in Brühl verwickelt war. Am 06.02.2000, einem Sonntag, entgleiste dort der D 203 Schweiz Express. Neun Menschen kamen ums Leben, 149 wurden verletzt.
Natürlich habe ich, wie wohl jeder andere auch, den Unfall mit großer Bestürzung wahrgenommen. Als Lokführer sieht man aber wohl doch noch mit anderen Augen darauf, gerade wenn ein Fehlverhalten des Lokführers zu vermuten ist. Ich habe eine eindeutige Meinung über die Schuldfrage, äußere mich darüber aber jetzt hier nicht. Das hat das Landgericht Köln getan. Das Strafverfahren gegen den Lokführer und zwei Mitarbeiter vom Netz wurde eingestellt.

Leider weiß ich nicht mehr genau wann ich morgens den ersten Pz linksrheinisch nach Deutz zu fahren hatte, glaube aber es war der Dienstag nach dem Unfall. Bis Sechtem lief alles planmäßig, dort aber musste ich einen Gegenzug abwarten um dann im Gegengleis bis Brühl zu fahren. Es war noch dunkel, die Unfallstelle war beleuchtet, an zwei Kranarme kann ich mich noch erinnern. Es war sehr bedrückend für mich die Szenerie vor Ort zu sehen, auch wenn es schon 19 Jahre her ist weiß ich noch wie es mir den Hals zugeschnürt hat. Welche Verantwortung man als Lokführer trägt wurde mir da wohl zum allerersten Mal bewusst.
Die Lokomotive wurde geborgen und 2002 mit einem neuen Lokkasten neu aufgebaut. Deshalb die Anschrift am Langträger, ADtranz wurde 2001 von DaimlerChrysler (wie der Konzern damals hieß) an Bombardier verkauft.

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Ich habe noch nie bewußt Jagt auf Werbeloks gemacht. Langweilig! Aber am Tag der Arbeit 2005 habe ich die 101 001 bei der Einfahrt nach Koblenz Hbf.

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9. Oktober 2004, Nachschuß auf die 101 040 in Namedy.

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Am 10.August 2005 fuhr eine unbekannte 101 in Hamburg über die Oberhafenbrücke.

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Wie freuen wir uns jetzt über solche Aufnahmen, der Kühlturm steht noch! 6.September 2004.

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