Spurensuche im Spessart

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WolfgangZ
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Spurensuche im Spessart

#1 Beitrag von WolfgangZ » Mo 13. Aug 2018, 22:27

Diesen Beitrag hatte ich bereits im alten Forum von Ralf gezeigt, aber nicht separat abgespeichert, so dass er den Weg allen Server-Crashs ging. Damals hatte ich am Ende des Beitrages geschrieben, dass ich nicht mehr vor habe, die Stellen noch einmal zu besichtigen. Aber wie heißt es so schön: Never say never. Und so habe ich mich in Bond-Manier mit Cabrio meiner Frau noch einmal auf Spurensuche gemacht.

Das kommt ja auch euch zugute, zumal ich den alten Beitrag um neue Bilder ergänzen kann. Es kam allerdings nicht wirklich prickelndes dabei heraus.
Die alte geteerte Baustraße wird derzeit wieder vom Belag befreit und wieder renaturiert, vermutlich wie früher wieder als unbefestigter Weg Förstern und Waldarbeitern dienlich sein. Das führte dann für mich allerdings zu einem vorzeitigen Halt und einem längeren Fußmarsch, denn das wollte ich dem Auto meiner Frau dann doch nicht zumuten. Vorher durfte ich noch ein paar böse Blicke von Spaziergängern ertragen, denn die Straße ist offziell für Pkws gesperrt. Aber ich war ja im bahndienstlichen Einsatz. :lol: :lol: :lol:

Nun genug der lahmen Vorrede, schreiten wir zur Dokumentation des unausweichlichen.

__________________________

Am 15.6.2017 endete ja bekanntlich der planmäßige Betrieb auf der alten Rampenstrecke. Am 13.8. wanderte ich erstmalig nach der Außerdienststellung das letzte Rampenstück bis zum westlichen Tunnelportal hoch. Bis auf den Abbau der Oberleitung war damals noch nicht viel passiert.


Bild 1
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Der Gleisbereich sah noch nicht wesentlich anders aus als 2 Monate zuvor.


Bild 2
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Ein paar Meter weiter das alte Signal zum Einstellen des Schiebebetriebes ohne jegliche Leuchtkraft


Bild 3
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Die alten Turmmasten lieblos abgeschnitten

Bild 4
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und auf einem Haufen gesammelt. Im Hintergrund die Halde sollte dann im laufe der nächsten Monaten im Tunnel verschwinden


Bild 5
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Der Anblick der Gleisanlage ohne jegliche Oberleitung hinterließ bei mir doch einen sehr merkwürdigen Eindruck.

Bild 6
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vor allem beim Blick talwärts. Irgendwie total melancholisch.


Der eigentliche Anlass meines damaligen Besuchs war aber die ungefährdete Besichtigung des Schwarzkopftunnels.


Bild 7
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Noch konnte man am anderen Ende Heigenbrücken erkennen.

Bild 8
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Vor dem Tunnel lagen sogar noch Y-Schwellen


Auf den nachfolgenden Bildern ist gut zu erkennen, warum der Tunnel aufgegeben werden musste. Überall gluckerte es. Seit Beginn des Tunnelbaus hatte man ununterbrochen mit eindringendem Wasser zu kämpfen. Die Einsparungen durch das einst im Bw Aschaffenburg kostenlos genutzte Wasser von hier wurden durch immense Unterhaltungskosten für den Tunnel wieder aufgefressen.

Bild 9 - 10
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Bild 11
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Einst in kriegerischen Zeiten ein strategischer Punkt, den es gut zu verteidigen galt. Vielleicht auch Glück für die Wachmannschaften, wenn man bedenkt was an den Ost- und Westfronten alles so passiert ist.



am letzten Sonntag bin ich dann noch einmal die Strecke oberhalb der ehemaligen Blockstelle Hain bis zum Schwarzkopftunnel hochgelaufen. Die Betonhektometersteine stehen noch fast vollständig, wenn auch manche in starker Schieflage.

Am Tunnel selbst hat sich inzwischen sehr viel getan. Er wurde komplett verfüllt und die Tunnelportale verschlossen. Dank der Initiative von Laufach bleiben sie wenigstens sichtbar erhalten.

Beginnen wir also am Tunnel


Bild 12
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Das westliche Tunnelportal mit den Öffnungen für Fledermäuse. Die Gleisjoche vor dem Tunnel empfinde ich persönlich als absolut lieblos "hingeschmissen".


Bild 13
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Der Bereich um das ehemalige Ausweichgleis wurde inzwischen renaturisiert


Bild 14
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Ein paar alte Gleisjoche warten offenbar auf Abtransport. Rechts ging es früher in das Wartegleis.


Bild 15
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Etwas unterhalb der Strecke türmt sich noch ein Berg Schotter auf, der offenbar für die Errichtung von Baustraßen notwendig war. Die Dimension spricht nicht direkt nur für einen Fußweg.

Weiter geht es talwärts auf dem alten Schotterbett. Bei km 74,0 befand sich früher das Esig von Heigenbrücken West und das schöne Fernmeldehäuschen

Bild 16-17
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Das Foto entstand beim "Seniorentreffen" 2012 - man, schon wieder 6 Jahre her und wieder 6 Jahre älter. :lol: :lol: :lol:



Bild 18
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Auf dem alten Schotterbett kann man heute problemlos bis zu Sportplatz Hain hinab oder auch hinauf wandern.

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Dort steht ja bekanntlich der Bn als "Denkmal", garniert von ein bisschen Rest-Oberleitung, für die sogar ein neuer Mast aufgestellt werden musste.

Bild 19
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Unterhalb des Wagens wurde der alte Durchlass wieder begehbar gemacht.

Bild 20
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Oberhalb des Bn beginnt der Streckenabschnitt, der bisher seine Gleise aber nicht den Schotter verloren hat.

Der letzte Abschnitt der alten Strecke endet etwas unterhalb der ehem. Blockstelle Eisenwerk

Bild 21
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Gut zu erkennen ist die Größe des geschotterten Weges, der offenbar auch für LKWs befahrbar ist.

Bild 22
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Bonus-Bild

Bild 23
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Schon früher auf unseren gemeinsamen Touren war die Kommunikation mit den örtlichen Fdl oder WW von größter Bedeutung, um eine maximale Ausbeute zu erzielen. Daran hatte sich auch 2012 noch nichts geändert. Mit dem notwendigen Schlüsseln (=Vierkant) waren die Einrichtungen der DB für uns jederzeit zugänglich. :lol: :lol: :lol: :lol:

______________

Mit diesem Beitrag dürfte dann aber wohl alles interessante dokumentiert sein. Da wird sich in Zukunft bestimmt nicht mehr allzu viel verändern, was hier würdig wäre zu präsentieren. Aber man kann ja nicht wissen, deshalb lasse ich dieses Mal alles offen. ;)



Herzliche Grüße
Zuletzt geändert von WolfgangZ am Mi 15. Aug 2018, 06:18, insgesamt 1-mal geändert.
Wolfgang

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Ralf1972
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Re: Spurensuche im Spessart

#2 Beitrag von Ralf1972 » Di 14. Aug 2018, 08:50

Hallo Wolfgang,

faszinierender Beitrag :!:

Natürlich ist das für uns Eisenbahnfreunde sehr traurig anzusehen, trotzdem sehr interessant.

:Danke:
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gt
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Re: Spurensuche im Spessart

#3 Beitrag von gt » Di 14. Aug 2018, 20:13

Huch. Was für ein Beitrag (nicht nur wegen dem letzten Bild).😊
Das Wort "Seniorentreffen" ist echt...😀😀
Herzliche Grüße

gt


Auch im Siegerlandforum, Eisenbahn in Südwestfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz aktiv.

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Rüdiger1957
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Re: Spurensuche im Spessart

#4 Beitrag von Rüdiger1957 » Mi 15. Aug 2018, 09:04

Hallo Wolfgang,

danke für die Fortführung des interessanten Beitrags. :Danke: Wenn ich die Bilder sehe, kommt bei mir eine etwas merkwürdige Stimmung hoch. Das Fernmeldehäuschen steht doch jetzt sicherlich bei dir im Garten ;) :lol: :lol:

Beste Grüße
Rüdiger

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Günter T
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Re: Spurensuche im Spessart

#5 Beitrag von Günter T » Fr 17. Aug 2018, 09:13

Hallo Wolfgang,

diese Art von bahnhistorischen Beiträgen schätze ich besonders. Schon die Motivwahl ist erstklassig - eine Dokumentation vom Feinsten!
:super: :respekt:

Vielen Dank.

Es grüßt
Günter
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Re: Spurensuche im Spessart

#6 Beitrag von 225-099 » So 19. Aug 2018, 12:56

Danke für diesen sehr informativen Bericht

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