Der Türchen-Thread reloaded

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Yogibaer
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#81 Beitrag von Yogibaer » Mi 22. Mai 2019, 20:27

Hallo Ralf,
kannst du mir bitte mal in Google Maps aufzeigen von wo das letzte Bild auf Andernach gemacht wurde.
Wir haben vor zwei Wochen die Fotostelle gesucht aber nichts brauchbares gefunden.
An der B9 Haltebucht ist es wegen des Verkehrs eigentlich unnangenehm zu stehen. Im Waldgebiet über der B9 hat man nicht genug freie Aussicht und unterhalb der B9 haben wir nur Wohnbebauung gefunden.

Grüße
Jürgen

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Ralf1972
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#82 Beitrag von Ralf1972 » Sa 25. Mai 2019, 09:08

Yogibaer hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 20:27
Hallo Ralf,
kannst du mir bitte mal in Google Maps aufzeigen von wo das letzte Bild auf Andernach gemacht wurde.
Wir haben vor zwei Wochen die Fotostelle gesucht aber nichts brauchbares gefunden.
An der B9 Haltebucht ist es wegen des Verkehrs eigentlich unnangenehm zu stehen. Im Waldgebiet über der B9 hat man nicht genug freie Aussicht und unterhalb der B9 haben wir nur Wohnbebauung gefunden.

Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,

solch ein Bild geht nur von der B9-Brücke herab. Ich habe das damals einmal gemacht, mich aber nicht wirklich wohl dabei gefühlt. Die Autofahrer schauten mich blöde an, ich hab fest damit gerechnet dass bald die Polente neben mir steht. Also grenzwertig dieser Standpunkt.
Bild

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Ralf1972
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#83 Beitrag von Ralf1972 » Di 28. Mai 2019, 11:26

#72

Bis heute ungewohnt ist für mich eine 140 mit Einholmstromabnehmer, dazu noch das Knie zur Lokmitte. Diese Stromabnehmer (SA) besitzen wie alle modernen SA eine Schleifleistenüberwachung. Sie soll den Bügel und natürlich auch den Fahrdraht bei einem Schleifleistenbruch vor allzu großem Schaden bewahren.

Wie funktioniert das? Ganz einfach. In die Kohle-Schleifleiste ist ein Kanal gefräst, dieser Kanal wird unter Druck mittels Luft gesetzt. Bricht nun die Leiste entweicht die Luft, eine Steuereinheit registriert diesen Druckabfall und senkt den SA. Moderne Lokomotiven haben ja eine Diagnoseeinrichtung die diese Störung sofort auf das Display bringt, der Lokführer kann schnell erkennen was los ist. Bei den Einheits-Elloks gibt es so etwas nicht, der Tf bemerkt nur dass der Hauptschalter ausschaltet. Schwankt in diesem Moment die Fahrleitung weiß er auch schnell was los ist, bemerkt er am Fahrdraht nichts, z.B. wegen Dunkelheit, muss er anderweitig zur Störungssuche übergehen. Im Maschinenraum selbst ist eine angesprochene Schleifleistenüberwachung am Luftausströmgeräusch zu erkennen.

Am 26.Februar 2005 knipste ich 139 309 mit einem "Suppenzug"bei der Einfahrt nach Völklingen. Diese Maschine besitzt wie alle Bilder dieses Beitrags einen neuen Einholmstromabnehmer.

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Am 10.Mai 2006 fuhr 140 808 mit einer Schwestermaschine durch Brohl gen Süden.

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Vor zehn Jahren noch Alltag in Andernach, zwei 140er vor den Blechzügen. 140 853 und 864 abfahrbereit in Gleis 4. Ich habe das Bild sicher aus der RE5 heraus gemacht, vielleicht ist mir der Leerzug dann bis Köln auf dem Fuße gefolgt.

Bild





Am 9.August 2006 erwischte ich ohne Sonne die 140 857 und 803 kurz vor Klotten.

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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#84 Beitrag von 225-099 » Do 30. Mai 2019, 18:26

Hallo Ralf,

wieder mal ein interessantes Detail für mich, mit fachmännischer Erklärung. Ich bin ja nicht so der Techniker, deswegen finde ich Deine Beiträge dieser Art immer sehr informativ!

Beste Grüße

Peter

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Ralf1972
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Re: Der Türchen-Thread reloaded

#85 Beitrag von Ralf1972 » Di 11. Jun 2019, 18:15

#73

Ich persönlich würde auch gut ohne unsere Fahrgäste auskommen, da bin ich ganz ehrlich. Aber ohne die Fahrgäste würde auch kein Zug mehr fahren, Subventionen hin oder her. Also müssen sie halt sein.

Damit unsere Kunden, nein, falsch, unsere Kunden sind die Schienenzweckverbände, also unsere Fahrgäste in den Zug gelangen können muss der Zug am Bahnsteig stehen. Idealerweise auch an denen die im Fahrplan veröffentlicht sind. Mir ist es bis jetzt zweimal passiert, dass ich an einem planmäßigen Halt durchgefahren bin. Und beide Male war es die gleiche Situation, ich wusste nicht mehr ob ich einen Pz oder Eilzug fahre. Das erste Mal ist schon lange her, muss so Mitte der 1990er gewesen sein. Ich hatte zweimal ins Bbf zu fahren, Rechtsrheinisch. Dreimal fuhr ich einen Eilzug, der letzte allerdings war ein Pz der überall hielt. Ich fuhr abends in Troisdorf ab und hatte wie den ganzen Tag schon im Kopf, „nächster Halt ist Menden“. Also durchfuhr ich meinen anschließenden Weichenbereich, beschleunigte meinen Zug und freute mich auf den Feierabend. Vorbei am menschenleeren Bahnsteig in Friedrich-Wilhelms-Hütte bremste ich in Menden an den Bahnsteig und hielt an. Ich schaute links zum Fenster raus, direkt hinter der Lok flog die erste Tür auf und eine Handvoll Reisende stieg aus und stampften auf mich zu. „Wo wollen die denn hin?“ habe ich wohl gedacht. Kurz darauf wusste ich wo sie hinwollten, nämlich mich anbrüllen. Da durchlief mich ein Schauer, „Oh Schei…, ich fahre ja einen Pz!“. Ich ließ die Schimpfkanonaden über mich ergehen, es war ja auch meine Schuld. Irgendwann stand dann mein Zugführer vorn an der Lok, ein älterer Kölner Kollege. „So, Ruhe jetzt!“, sagte er bestimmt. „so was kann doch mal passieren, wir sind alle nicht unfehlbar, hört auf hier rum zu schimpfen. Aber sofort! Ich rufe jetzt die BZ an, die lassen den nächsten Eilzug in F-W-Hütte halten, dann seid ihr in bald zu Hause!“. Ich fügte dann noch leise ein „tut mir wirklich leid“ an. Niemand bestand auf ein Taxi, wir erledigten die Anrufe und fuhren dann weiter. In Koblenz angekommen bedankte ich mich artig bei meinem Kollegen. „Ess joot Jung, kann doch paseere“. Damals waren wir noch eine Eisenbahnerfamilie, und in Familien steht man sich bei. Schöne alte, leider vergangene Zeit.

Das zweite Mal war ein ähnlicher Fall, nur wollte kein Fahrgast rein oder raus am ausgelassenen Halt. Ich fuhr zweimal Trier, RE hin und zurück, RE wieder nach Trier und eine RB zurück nach Koblenz. Ich fuhr in Trier ab und durchfuhr den leeren Bahnsteigbereich von Pfalzel. Als ich dann in Ehrang Vr2 für die Ausfahrt bekam durchlief mich ein ähnlicher Schauer wie Jahre zuvor. „Oh nein, Kollig, du Vollidiot, du fährst doch eine Regionalbahn“. Ich erinnerte mich tatsächlich an den Vorfall in Menden, hielt in Ehrang an, aber niemand stieg aus.

Wenn ihr zurückblättert findet ihr einen 425 in Bingerbrück beim Umsetzen in die Abstellung. Diese Schicht habe ich geliebt und bin sie auch sehr oft gefahren. Dienstbeginn gegen 15 Uhr lösten wir einen 425 ab, fuhren damit eine RB nach Mainz, dort eine kleine Pause am Bahnsteig, dann ging es nach Bingerbrück. Dort stellten wir den 425 ab, hatten eine lange Pause, lösten einen 643 ab, standen nochmals eine Stunde unter dem Reiterstellwerk, fuhren dann an einen weiteren 643 aus Kaiserslautern bei um dann mit den zwei VT nach Koblenz zu düsen. Dort noch in die Innenreinigung, Abstellen, gegen 1:00 Uhr morgens war Schluss. Lange Schicht + wenig Kilometer = bezahlter Urlaub, diese Formel gilt heute noch, nur gibt es solche Schichten leider nicht mehr so oft.

Die RB von Mainz nach Bingerbrück hielt überall außer in Uhlerborn. Das ist mir aber NIE aufgefallen, ich hielt immer dort an. Und ich habe die Schicht wirklich häufig gefahren. Eines Tages, es war schon spät im Fahrplanjahr, ging kurz nach meinem Halt in Uhlerborn der Zugfunk. „Hier ist der Fdl Uhlerborn, Tach Lokführer“… „Tach Fahrdienstleiter“ gab ich zur Antwort. „Sag mal, hast du nen Halt bei mir im Fahrplan??“ fragte er mich. „Ja klar, sonst hätte ich ja nicht angehalten“ sagte ich ihm, schaute aufs EBuLa und musste lachen. „Ups, seit wann ist denn der Halt bei dir weg?“ fragte ich ihn. Er lachte auch. „Der Zug hat hier noch nie gehalten Kollege!“… „Echt, ohne Witz?“… „Echt, ohne Witz!“... „Oh!“. Immer hielt ich dort an, nie fiel mir auf, dass ich dort nicht hätte halten müssen. Ist mir bis heute unerklärlich, denn eigentlich schaut man ja oft auf den Fahrplan um die Abfahrtszeit zu prüfen. Als ich die Schicht wieder hatte hab ich mir gekämpft dort durchzufahren, vielleicht gab es ja mittlerweile Fahrgäste die dachten, wenn der gutaussehende, sehr sympathische und hochkompetente Lokführer fährt (also ich), hält der Zug immer in Uhlerborn.

Am 14.07.2008 hatte ich mal wieder diese Schicht, der 425 140 steht in Mainz in Gleis 14 bereit bald unnötigerweise in Uhlerborn zu halten.


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